Blog post

Foodsharing – wie du Lebensmittel vor der Tonne bewahren kannst

27. Oktober 2018mintmornings

 

Jeden Tag werden große Mengen an noch genießbaren Lebensmitteln in die Mülltonne geworfen.
Nicht nur Privathaushalte werfen Lebensmittel weg, auch Supermärkte, Restaurants und Bäckereien sortieren Lebensmittel aus verschiedensten Gründen aus.
Zum einen müssen die Lebensmittel bei überschrittenem MHD aussortiert werden, zum anderen werden oft Lebensmittel mit „Schönheitsmängeln“ (z.B. beschädigter Verpackung, angeditschtes Obst und Gemüse) entsorgt.
Auch ein Mangel an Regal- und Lagerplatz kann in einem Supermarkt Grund für eine Entsorgung genießbarer Lebensmittel sein.

Eine Organisation, die sich gegen das Verschwenden und Wegwerfen von Lebensmitteln einsetzt ist Foodsharing.

Ich bin selbst über eine Freundin auf Foodsharing aufmerksam geworden, die das Prinzip ebenfalls nur vom Hörensagen kannte.

Was genau ist also Foodsharing und wie funktioniert es genau?

 

Was ist Foodsharing?

Foodsharing ist ein ehrenamtlicher Verein, der sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzt.
Es gibt eine Plattform, auf der ihr euch anmelden könnt und über die ihr das Tauschen oder das Abholen von Lebensmitteln mit organisieren könnt.
Ihr müsst euch für die Teilnahme auf der Plattform anmelden, die Anmeldung ist unverbindlich und kostenlos.

Hier gibt es drei verschiedene Optionen, wie ihr Lebensmittel vor der Tonne bewahren könnt:

Essenskörbe: Ihr könnt selber einen Essenskorb mit Lebensmitteln einstellen, die ihr nicht aufbrauchen könnt oder wollt, z.B. weil sie euch nicht schmecken, ihr in den Urlaub fahrt usw.
Ihr könnt über einen Essenskorb also selber Lebensmittel zur kostenlosen Abholung anbieten oder selbst einen Essenskorb eines anderen Foodsavers abholen.

Fairteiler: In größeren Städten gibt es oft einen oder mehrere Fairteiler. Dies sind feste Plätze mit Regalen und/oder Kühlschränken, in die Foodsaver Lebensmittel zur Abholung legen.
Sobald ihr euch auf der Foodsharing Plattform angemeldet habt, erhaltet ihr (falls vorhanden) einen Zugangscode für den Fairteiler und könnt dort Lebensmittel abholen und retten.
In manchen Städten werden aus Lebensmittelausgaben organisiert.

Organisierte Lebensmittelabholungen in Läden: Um selber Lebensmitteln in gewerblichen Geschäften und Restaurants abholen zu dürfen, müsst ihr das sogenannte Foodsaver Quiz bestehen.
Hier werden einige Kenntnisse hinsichtlich der Lebensmittelabholung und der Verteilung abgeholter Lebensmittel gestellt.
Ihr müsst nun drei Probeabholungen durchführen und erhaltet im Anschluss einen sogenannten Foodsaver Ausweis. Ab diesem Zeitpunkt könnt ihr euch für Abholungen selbstständig eintragen und Lebensmittel retten.

 

Welche Pflichten habe ich als Foodsaver?

Wenn ihr ausschließlich Lebensmittel über Essenskörbe oder den Fairteiler rettet, habt ihr keine weiteren besonderen Verpflichtungen.
Solltet ihr euch entscheiden Foodsaver zu werden und selber Lebensmittel bei Supermärkten, Bäckereien etc. abzuholen, müsst ihr vorab ein Quiz bestehen und anschließend drei
Probeabholungen tätigen. Im Anschluss erhaltet ihr einen Ausweis und könnt euch nun selbstständig für Abholungen eintragen.
Hierbei seid ihr verpflichtet pünktlich zu den Abholungen zu erscheinen und alle dort aussortierten Lebensmittel mitzunehmen (es werden keine noch verzehrbaren Lebensmittel an der Abholstelle gelassen).
Könnt ihr eine Abholung kurzfristig doch nicht wahrnehmen, müsst ihr die Gruppe informieren und für einen Ersatz sorgen.

 

Wie läuft eine Abholung bei Foodsharing ab?

Ich habe mittlerweile mitbekommen, dass die Abholungen lokal evtl. etwas abweichend voneinander organisiert werden.
Im Großen und Ganzen kann man jedoch sagen, dass sich die Foodsaver nahe der Abholstelle treffen und dann an einer vorher bekannten Stelle (dies kann z.B. im Laden, das Lager oder ein nahegelegener Parkplatz sein) die Lebensmittel abholen und aufteilen.
Jeder nimmt das mit, was er tragen, verwerten oder verteilen kann.
Je nach Größe des Betriebs und der Aufwendigkeit der Sortierung dauert so eine Abholung meist zwischen 10-30 Minuten.
Die Mengen können je nach Tag und Jahreszeit sehr schwanken.

 

Wie kann ich mich für eine Abholung eintragen und muss ich feste Termine einhalten?

Ich hatte vor meiner Anmeldung die Sorge, dass ich mich auf bestimmte Abholtage festlegen muss.
Dies ist jedoch nicht der Fall.
Ihr tretet in die verschiedenen Abholgruppen ein (es gibt immer eine Gruppe pro Betrieb) und dort findet ihr dann alle Hinweise für die Abholung im jeweiligen Betrieb, sowie die
Abholtage und die Abholzeiten.
Dort gibt es eine Art virtuellen Kalender in den ihr euch eintragen könnt, sofern am gewünschten Tag noch Abholplätze frei sind.
Ihr könnt euch also relativ kurzfristig (oder falls das für euch praktischer ist auch langfristig) eintragen und ihr könnt immer frei wählen, wo und wann ihr in welchen Betrieben abholt.

Vor der Abholung erhält man über die Homepage bereits die wichtigsten Informationen wie die Abholzeit und den Treffpunkt.
Je nach Betrieb gehen einer oder mehrere Foodsaver in den Betrieb und holen direkt im Betrieb, im Lager oder an einem festen Ausgabepunkt die Lebensmittel ab.
Anschließend wird die abgeholte Ware aufgeteilt.
Die Aufteilung dauert je nach Aufwand und Abholmenge meist 10-30 Minuten.
Ich hole öfter beim Bäcker ab, da geht die Abholung sehr schnell und ich bin zumeist in 5-10 Minuten fertig.
Abholungen bei Supermärkten können hingegen schon mal 15 oder auch 30 Minuten dauern, je nach Menge.
Ihr solltet euch aber nicht zu viel Sorgen machen. Das Meiste ergibt sich ganz natürlich im Prozess und bei meinen Abholungen haben wir immer alles gut regeln können und alle
Lebensmittel problemlos transportieren können.

 

Was gibt es bei Foodsharing alles abzuholen?

Das ist komplett abhängig vom Betrieb und kann sich sehr unterscheiden.
Oft wird auf der Plattform schon ein Hinweis gegeben, welche Lebensmittel zu erwarten sind (z.B. ausschließlich Frischkost oder Kühlkost).
Sehr häufig holt man Obst und Gemüse ab, da dies im Gegensatz zu Trockenware natürlich nicht so lange haltbar ist.
Auch Kühlkost, insbesondere Milchprodukte wie Quark und Joghurt, wird häufig abgeholt.
Dazu kommt, dass viele Bäckereien am Foodsharing teilnehmen. Somit gibt es in den meisten Städten auch oft Brötchen und Brot abzuholen.
Auch belegte Brötchen und süßes Gebäck ist häufig dabei.
Wenn eure Stadt die Abholung in Restaurants oder Cafés anbietet, können z.B. auch fertige Gerichte, Suppen oder Torten dabei sein.

 

Mit welchen Mengen muss ich bei einer Abholung rechnen und wie kann ich die Lebensmittel transportieren?

Viele Foodsaver sind zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.
Die meisten nutzen einen Rucksack und Taschen für den Transport.
Ich persönlich nutze einen Einkaufstrolley und habe zur Vorsicht meist noch 1,2 Taschen dabei.
Bei Supermarktabholungen nehme ich in der Regel auch immer eine Kühltasche mit, falls kühlpflichtige Produkte dabe sind.

Die Abholmengen werden meist auf der Homepage für den jeweiligen Betrieb eingeschätzt und entsprechend viele Plätze gibt es für Abholer.
So werden bei kleinen Betrieben oft nur 2 Abholer pro Tag eingeplant, während bei Supermarkt Abholungen oft 3 Abholer oder mehr eingeplant werden.
Bei manchen Abholungen werden Foodsaver mit Auto benötigt. Diese Informationen findet ihr aber immer direkt auf der Homepage.

 

Ist Foodsharing für Vegetarier und Veganer geeignet?

Grundsätzlich würde ich sagen: Ja.
Es gibt häufig Obst und Gemüse abzuholen, auch viele Backwaren sind vegan.
Allerdings unterscheiden sich die abzuholenden Lebensmittel je nach Betrieb sehr und in Supermärkten gibt es häufig auch Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen abzuholen.
Man verpflichtet sich, alle Lebensmittel von den Betrieben mitzunehmen.
Somit sind auch häufiger nicht vegeratische/vegane Lebensmittel dabei.
Aber ihr werdet, besonders in Supermärkten, selten alleine abholen und man kann sich immer arrangieren.
Solltet ihr jedoch Lebensmittel mitnehmen müssen, die ihr selber nicht mögt, könnt ihr diese weiter verteilen.
Entweder bringt ihr sie zum Fairteiler, wenn es in eurer Stadt einen gibt. Oder ihr baut euch ein kleines Netzwerk auf.
Foodsharing ist für viele Städte auch als Facebook Gruppe vertreten.
Oder ihr verteilt die Lebensmittel, die ihr selber nicht mögt oder essen könnt an Bekannte, Verwandte oder Nachbarn.
Viele engagieren sich auch und verteilen das Essen an Obdachlose.

Spart man Geld durch Foodsharing?

Auch hier kann man grundsätzlich wieder sagen: Ja, man spart Geld.
Aber wieviel hängt natürlich von der Häufigkeit der Abholungen ab und auch, ob die abgeholten Lebensmittel für die eigene Ernährung passend sind.
Prinzipiell lässt sich jedoch sagen, dass man sicherlich ein wenig einspart.
Insbesondere Backwaren und Obst und Gemüse sind Produkte, die sehr häufig abgegeben werden.
Im Gegenzug sind Fertiggerichte, Süßigkeiten und alle trockenen Nahrungsmittel (wie Reis, Linsen, Nudeln, Mehl etc.) sehr selten dabei.
Hinzu kommt, dass die abzuholenden Produkte evtl. nicht eurem Geschmack oder eurer Auffassung von (gesunder) Ernährung entsprechen und die Abholmengen und Zusammenstellungen
sehr schwanken.
Somit spart man in einem Monat evtl. 10€, in einem anderen vielleicht 50€.. hier kann keine pauschale Aussage getroffen werden.
Ich persönlich spare durch die Abholungen schätzungsweise um die 30-50€ pro Monat an Lebensmittelkosten ein.
Da die Abholungen und die evtl. spätere Verteilung einen kleinen Aufwand bedeuten, sollte die Einsparung von Geld nicht die einzige Motivation sein.

 

Ist es kompliziert ein Foodsaver zu sein?

Nein, es ist sogar recht unkompliziert.
Sobald man seinen Ausweis hat, kann man seine Abholungen sehr unkompliziert über die Website von Foodsharing einteilen.
Die Aufteilungen dauern keine Ewigkeit und verlaufen nach meinen Erfahrungen in der Regel sehr angenehm.

Wo gibt es überall Foodsharing?

Derzeit ist Foodsharing leider zumeist nur in größeren Städten vertreten.
Sehr aktiv sind z.B. Berlin und Köln, aber auch Mittelgroße Städte sind dabei.
In lädlichen Regionen gibt es bisher noch kein oder nur sehr vereinzelt Foodsharing.
Hier werden Botschafter und Betriebsverantwortliche gesucht, die eine kleine Gruppe für neue Regionen aufbauen möchten.
Ihr könnt euch aber auch für Gruppen in größeren Städten in eurer Nähe eintragen. Evtl. pendelt ihr zur Arbeit oder zur Uni, oder seid öfter in einer größeren Stadt zu Besuch.

 

Fazit:
Foodsharing ist natürlich nicht die Endlösung für das Problem der Lebensmittelverschwendung.
Aber es ist ein guter Schritt, um den momentanen Zustand etwas abzumildern.

Falls du noch ein wenig mehr über das Thema Lebensmittelverschwendung lernen möchtest, dann kann ich den Dokufilm Taste the Waste empfehlen.
Ihr könnt den Film mit einem Amazon Prime Abo kostenlos anschauen.

 

Habt ihr noch weitere Fragen zum Foodsharing? Dann stellt diese gerne in den Kommentaren.
Kennt ihr bereits Foodsharing oder seid ihr vielleicht schon als Foodsaver aktiv?
Dann teilt gerne in den Kommentaren eure Erfahrungen 🙂


*Unbezahlte Werbung, da Namensnennung und Verlinkung

 

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Prev Post

Halloween Film Empfehlungen

21. Oktober 2018

Next Post

Herbstblues vermeiden - wie du dich im Herbst wohlfühlst

Herbst Blues adé - wie du dich im Herbst wohlfühlen kannst

2. November 2018

Diese Website nutzt Cookies, um die Nutzung der Seite zu personalisieren und zu optimieren und die Website Nutzung zu analysieren. Durch die Nutzung der Website stimmst du dieser Speicherung zu. Weitere Informationen findest du in der Datenschutzerklärung: https://www.mintmornings.de/datenschutz/ Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Weitere Informationen findest du in der Datenschutzerklärung: https://www.mintmornings.de/datenschutz/

Schließen